Interview with Marco by Duc (student of the swiss art school) for his mentorwork "Evil in the arts"
Reclaimer: This interview has in particular nothing to do with Slaine as a band. It is the opinion of Marco
1. In deiner Musik spielt das Böse eine grosse Rolle. Inwieweit ist dieses
Image Genrebedingt, inwiefern bearbeitest du persönliche Anliegen damit?
Nun dieses Image ist stark genrebedingt: hat man nicht einen Hauch von Okkultem, Bösem oder sonst Düsterem an sich haften, ist der Glaubwürdigkeitsfaktor schwindend klein. Ich persönlich assoziiere diesen „Hang zum Bösen“ mit der gesellschaftskritischen Haltung des Death Metals und werte dies als sehr kontrastreiche Darlegung des „Anderssein“, des „Hey, ich bin kein Mitläufer“. Metaller sind eigentlich keine bösen Menschen, sie wollen nur nicht allzu sehr gesellschaftskonform sein. Und auch ich bevorzuge es, oberflächlich als „böse“ zu gelten, als mich der effektiv sehr oberflächlichen Gesellschaft unterzuordnen!
2. Wie möchtest du, dass Leute die keinen Bezug zu deiner Kunst haben dich verstehen? Werdet ihr oft missverstanden?
Nun, grundsätzlich sollten sie mich als Musiker sehen, welcher in der Lage ist eigene, kreative Kunst zu gestalten. Gerade der Kontrast zum „Üblichen“, sollte bei Personen die Neugierde wecken und Gedanken zum heutigen Leben erzeugen. Interessanter Weise bekunden die meisten Leute ihre Mühe mehr mit den Gesangs-Groals, als mit den textlichen Inhalten. Vielleicht liegt dies auch daran, dass wir die gesellschaftskritischeren Songs als Metapher geschrieben haben, welche sich nicht immer schnell offenbaren.
3. Gibt es eine grosse Diskrepanz zwischen Marco dem Musiker und Marco dem Banker? Falls ja, wo drückt sich diese am meisten aus?
Eine persönliche Diskrepanz gibt es nicht: ich bin in beiden Fällen mich selbst und habe es zum Glück nicht nötig mich zu verstellen. Interessanter ist der Gegensatz beim Umfeld: es kann vorkommen, dass man ein Weekend lang mit völlig versifften, langhaarigen, stinkenden und besoffenen Metallern rumhängt, um dann am folgenden Montag mit Geschäftsleitungs-Mitglieder eine Besprechung zu haben. Ich kann Dir allerdings nicht sagen, welche Welt die schlechtere ist...
4. Eure Band gibt’s nun mittlerweile schon seit etwa 10 Jahren, kannst du
die Entwicklung die ihr in dieser Zeit gemacht habt beschreiben? Was hat
sich geändert, was soll bleiben, was muss unbedingt anders werden?
Künstlerisch, Bandintern..
Oh, wie alles Organische, haben wir uns stetig weiterentwickelt:: die Musik passte sich unseren wechselnden Bedürfnissen an, wir reiften in der zwischenmenschlichen Kommunikation; grundsätzlich erfuhren wir einen Entwicklungsprozess, welchen wir nun auf CD bringen werden. Bleiben muss die Freude am Kreativen und der sehr grossen emotionellen Kraft unserer Musik. Unbedingt anders muss alles werden, denn nur das Nichtkonstante motiviert zur Weiterentwicklung.
5. Was sagst du Leuten die eure Musik mit organisiertem Lärm vergleichen,
oder euch überhaupt nicht als Künstler bezeichnen?
Nicht viel, ich lasse sie weiterhin Soaps oder MusicStar im TV schauen oder ihre neue DJ Bobo-Platte einkaufen gehen.
6. Kannst du definieren aus welcher Ecke ihr am meisten Kritik bekommt? Gute
und Schlechte!
Die beste Kritik kommt von der Band und dem engsten Umfeld: diese kann nur ehrlich sein und wird zum Anlass der Verbesserung gegeben. Die schlechte Kritik? Siehe letzte Frage.
7. Kannst du dir vorstellen eine andere Thematik als das Böse in den
Mittelpunkt zu stellen?
Eigentlich Nein. Dies aber in diesem Sinne, dass das Böse ja per se von der Gesellschaft definiert wird. Die gesellschaftliche Meinung stellt ja bekanntlich immer den grössten gemeinsamen Teiler dar. Dieser ist ja um so kleiner, also einen umso tieferen intellektuellen Anspruch hat, umso grösser die Gesellschaft ist. Ergo wird das von der Gesellschaft dargestellt Böse, immer der optimale Gegenspieler zum akkreditierten „Guten“ sein. Und somit ein ideales Sprachrohr für unsere eher aufklärerische Musik.
8. Kannst du dir vorstellen überhaupt mal andere Musik zu machen?
Vorstellen ja, allerdings wäre dies für mich mit sehr grossem Aufwand verbunden, welchen ich momentan scheue.
9. Falls du nicht so ein exzellenter Gitarrenspieler wärst, was wäre deine
Alternative zur Musik?
Irgendetwas Künstlerisches – nicht umsonst stamme ich von einer Künstlerfamilie ab. Doch was genau könnte ich Dir nicht sagen.
10. Gibt es sonst noch was, in das du soviel Leidenschaft steckst wie in die
Musik?
Eigentlich in alles was in mir Leidenschaft wecken kann. Im gleichen Ausmass allerdings nur in der Liebe zu meiner Freundin und gelegentlich in interessante Projekte im Geschäft.
11. Wenn du etwas in deiner Welt ändern könntest, was wäre es?
Ich würde den Menschen eine intellektuelle Vernunft geben, welche endlich eine vernünftige Welt erlauben würde. Was aber nicht zwingend dem Bild einer heutigen „guten“ Welt entspräche...
12. Gibt es für euren Sound einen philosophischen, religiösen, oder
politischen Background? Wenn ja welchen?
Grundsätzlich betitle ich unsere Musik als neo-aufklärerisch. Der heutige Mensch lebt zu sehr nach vorgeschriebenen Dogmen und Usanzen. Somit sind wir im Grund philosophisch geprägt, was allerdings einen starken Einfluss auf die religiöse und politische Meinung hat: Fuck Religion, Fuck Politics!
13. Gibt es Bücher die du gerne selber geschrieben hättest?
„Justine“ vom Marquis de Sade und das alte Testament. Grundsätzlich haben beide Bücher dieselbe Intention: gängige gesellschaftliche Moralvorstellungen zu ihrer Zeit zu hinterfragen und klar ketzerische Visionen einer neuen Moral darzulegen, welche einem gewissen Kreis von Personen eine mächtige gesellschaftliche Rolle verschafft hätten/haben. Leider gelang dies nur dem Alten Testament...
14. Was ist deine Konfession?
Gemäss Steuererklärung „konfessionslos“, gemäss mir „atheistisch“
15. Wenn du ein schweizerisches Gesetz ändern dürftest, welches wäre es, und
warum?
Die Bundesverfassung: Ich würde alle religiös motivierten Passagen streichen lassen und durch moderne ethische Wert ersetzen!
16. In der Death Metal Szene machen immer wieder Leute von sich reden die
Friedhofe schänden oder Kirchen anzünden. Was ist deine Meinung dazu?
Dies sind in der Regel Personen, welche die wahre „Macht des Bösens“, im Sinne eines neo-aufklärerischen Instrumentes, missdeuten und falschen, von aussen eingegebenen Werten nachäffen. Hier fehlt ganz klar ein Schuss Intellektualität...
17. Gibt es ein Thema, dass für dich absolut tabu ist um darüber zu singen?
Ja, solche Themen, die bar jeder Intelligenz und vor allem Vernunft sind: Rassenhass, Politik, Religion und George Bush. Ich meine jetzt, dass es tabu ist, über diese Themen positiv zu singen. Etwas anprangern sollte man immer können!
18. Deine Meinung zur Zensur von Texten oder Konzertverbote für gewisse
Bands?
Wäre unsere Gesellschaft auf Vernunft basierend, würde dies nicht benötigt werden. Grundsätzlich gilt für mich das gleiche, wie für meine persönlichen Tabuwerte.
19. Eine Frage die ich dir unbedingt stellen muss?
Wieso lebt ein Antimoralist grösstenteils in gesellschaftlichen Strukturen und nach gesellschaftlichen Wertvorstellungen?
20. Gibt es Musiker ausserhalb eures Genres die du für ihre Arbeit
bewunderst?
Im Gros die grossen klassischen Komponisten, welche den musikalischen Grundstein für den Metal legten. Ansonsten keine, weil mich keine andere Musik derart emotionell berühren kann.
21. Sollen sich Musiker überhaupt um politische oder gesellschaftliche
Themen kümmern?
Oh ja, vor allem im aufklärerischen Sinne sollten gesellschaftliche Themen erörtert werden. Die Politik ist allerdings nur ein Derivat der Gesellschaft, darum meines Erachtens nicht erwähnenswert.
22. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Glauben nein, hoffen ja.
23. Glaubst du an Himmel und Hölle?
Auf Erden gibt es dies – im Jenseits glaube ich nicht dran.
24. Was würdest du Gott fragen, wenn du ihn heute treffen würdest?
Wer bist Du denn?
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